Zukunftsfähige Energiewende Bayern

von Dr. Herbert Barthel, Energiereferent des Bund Naturschutz in Bayern

Energiewende von unten - Vortrag von Dr. Barthel, 2015

Dezentrale Energiewende nicht ausbremsen

Bei einem von  Bund Naturschutz, Bündnis 90-Die Grünen und Greenpeace veranstalteten Informationsabend zum Thema „Energiewende vor Ort“ waren sich der Referent für Energie und Klimaschutz des Bund Naturschutz in Bayern, Herr Dr. Herbert Barthel und Wolfgang Degelmann vom Verein Energievision Frankenwald e.V. einig:

Die Klimaschutzziele und ein rascher Atomausstieg können nur durch eine dezentrale Energieer-

zeugung aus erneuerbaren Quellen wie Sonne, Wind, Biomasse, Wasser und Geothermie erreicht werden.

Dr. Barthel wies zu Beginn seines Vortrages darauf hin, dass die fossile Energiegewinnung aus Öl, Gas und Kohle -hier ganz besonders der Tagebau- einer der Hauptgründe für den weltweiten Artenrückgang sei. Die Ausbeutung dieser Rohstoffe sowie die Nutzung der Atomkraft haben in den letzten Jahrzehnten zu enormen Umweltschäden geführt, unter denen Mensch und Natur litten.

Diese Zerstörung bekämen wir in Europa allerdings meist kaum mit, da sie sich überwiegend in weit entfernten Regionen abspielten.

Nun haben wir die technischen Möglichkeiten, innerhalb von ein bis zwei Generationen Deutschland mit Strom, Wärme und Treibstoffen aus erneuerbaren Energiequellen komplett versorgen zu können. Voraussetzung seien aber deutliche Anstrengungen bei Effizienzsteigerungen und Verbrauchsreduzierungen. Dabei, so der Referent, wären Einsparungen um die 45 % im nächsten Jahrzehnt möglich, beispielsweise durch konsequente Dämmungsmaßnahmen.

Vergleiche man die Ertragseffizienz der einzelnen Energie-Erzeugungsarten, so schneidet diejenige durch Wind klar am besten ab. Die Windkraft ist darum als „Säule der Energiewende“ auch im

Binnenland Bayern unverzichtbar. Dr. Barthel bezeichnete deshalb die geplante Abstandsregelung „10 x h (Abstand der WKA zur nächsten Wohnbebauung = 10fache Höhe) als „bösartigen Unfug“.

Denn dann blieben nur noch diejenigen Standorte übrig, die mitten in der Natur, z.B.in großen zusammenhängenden Waldgebieten, liegen und unter naturschutzrechtlichen Kriterien abzulehnen

seien.

Wolfgang Degelmann von Energievision Frankenwald e.V. bekräftigte dies mit seiner Aussage, Energie-Erzeugung habe schon immer Landschaft gebraucht. Vor dem Zeitalter der fossilen Energieträger sei diese immer „oberirdisch“ gewesen, z.B. durch Nutzung von Holz, Wind und Wasserkraft. Erst mit der  Entdeckung von Öl, Erdgas und Kohle hätten sich die Menschen an eine weitgehend „unterirdische“ Energiegewinnung gewöhnt, die wie wir heute wissen klimaschädigend, jedoch weitgehend unsichtbar vor sich ging. Jetzt müssten wir uns wohl wieder an sichtbare Energiegewinnungsanlagen wie Windräder oder Photovoltaikanlagen gewöhnen. Umfragen unter den Einwohnern des Landkreises Hof hätten gezeigt, dass bei der jüngeren Bevölkerung die Akzeptanz dieser Anlagen  bereits sehr hoch sei.

Zu den umstrittenen Hochspannungs-Stromtrassen erklärte Dr. Barthel, solange in den Energiekonzepten  der Regierung das Einsparen von Energie nicht ausreichend berücksichtigt

würde und es zudem an Transparenz der Planungen und einer Strategischen Umweltprüfung mangele, seien diese aus Sicht des Naturschutzes abzulehnen und deshalb auch der Bedarf von großen Stromtrassen fragwürdig. Würde stattdessen aus dem Strom Gas erzeugt und dieses in entsprechenden Leitungen transportiert, könnte die zehnfache Leistung erbracht werden.

 Zur Situation im Frankenwald führte Wolfgang Degelmann aus, dass die Mittel, die jährlich für

die fossile Energiebereitstellung aus dem Landkreis abflössen (ca.130 Mio.€ ) ausreichten, um den dreifachen Gesamtstromverbrauch aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Allerdings benötigten die Haushalte etwa 2/3 der Energie zur Wärmeerzeugung. Deshalb habe die Energievision bei ihren bisher elf verwirklichten Projekten in der Region auf Nahwärme gesetzt. Für den Landkreis Kronach nannte er als Beispiele Effelter, Mitwitz und Nordhalben,wo mit Hackschnitzeln aus der Region, Biomasse und Photovoltaik gearbeitet würde.

Auf einer Bayernkarte zeigte er den Zuhörern, dass bezogen auf die Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie der Landkreis Kronach am schlechtesten abschneide. Hier sieht der „Energievisionär“ Degelmann vor allem noch Potential durch Verwirklichung von Nahwärmeprojekten wie Blockheizkraftwerken. Für das Kronacher Stadtgebiet habe man für das

Gebiet Innerer und Äußerer Ring am Kreuzberg bereits Zahlen erstellt. Insgesamt führten die Nahwärmekonzepte neben den Vorteilen für die Umwelt auch zu einer Stärkung des Gemeinschaftsgefühls in einer Ortschaft oder einem Stadtteil.

Fazit  für die Teilnehmer  der Veranstaltung war: Die Energiewende muss eine Bürgerenergiewende von unten sein und auch in Kronach kann und sollte noch manches dazu beigetragen werden.